Kreditkarten werden häufig vor allem für den Urlaub oder für Bestellungen im Internet genutzt. Inzwischen kann man damit aber auch viele Ausgaben im normalen Alltag bezahlen und nebenbei Punkte, Rabatte oder andere Vorteile sammeln. Genau an dieser Stelle wird American Express interessant.
Die Karten fallen auf, weil es nicht nur eine einzige American Express Kreditkarte gibt. Von der kostenlosen PAYBACK Karte bis zur Platinum Card für 60 Euro im Monat ist praktisch alles dabei. Gleichzeitig hört man immer wieder zwei völlig unterschiedliche Meinungen. Die einen schwärmen von Punkten, Guthaben und Flughafen-Lounges. Andere sagen, dass Amex zu teuer ist und nicht überall angenommen wird.
In diesem Beitrag vergleiche ich deshalb, welche Karten es gibt, was sie aktuell kosten und wo die Nachteile liegen. Gleich vorweg: Eine American Express Kreditkarte kann sich lohnen. Sie ist für viele aber eher eine gute Ergänzung als die einzige Karte im Portemonnaie.
Stand der Konditionen: 31. August 2026. Gebühren, Guthaben und Aktionen können sich ändern. Vor einem Antrag solltest du deshalb noch einmal die aktuellen Bedingungen beim Anbieter prüfen.
Was ist bei American Express anders?
Visa und Mastercard geben ihre Karten normalerweise nicht selbst an den Kunden aus. Das übernehmen Banken und andere Anbieter. American Express ist dagegen gleichzeitig Kartenherausgeber und betreibt ein eigenes Zahlungsnetzwerk. Dadurch bekommt man Karte, Abrechnung, App, Bonusprogramm und Kundenservice im Grunde aus einer Hand.
Bei den privaten American Express Kreditkarten handelt es sich um sogenannte Charge Cards. Die Umsätze werden gesammelt und mit der monatlichen Abrechnung vollständig vom hinterlegten Girokonto eingezogen. Es gibt also nicht die bei manchen Kreditkarten übliche dauerhafte Teilzahlung mit hohen Zinsen.
Das ist übersichtlich, setzt aber ausreichende Liquidität zum Abbuchungstermin voraus. Man hat zwar ein Zahlungsziel bis zur Abrechnung, sollte aber trotzdem nur Geld ausgeben, das auf dem Girokonto vorhanden ist. Spätestens wenn die Abrechnung kommt, wird schließlich der komplette Betrag fällig.
Welche American Express Kreditkarten gibt es?
Die Auswahl wirkt auf den ersten Blick etwas unübersichtlich. Für Privatkunden sind vor allem diese fünf Karten interessant:
| Karte | Aktuelles Kartenentgelt | Für wen sie interessant sein kann |
|---|---|---|
| PAYBACK American Express | 0 Euro | PAYBACK Nutzer, die ohne Jahresgebühr Punkte sammeln möchten |
| American Express Blue Card | 0 Euro | Einsteiger, die Amex Offers und eine einfache Kreditkarte testen möchten |
| American Express Card, oft Green Card genannt | 5 Euro im Monat | Nutzer, die Membership Rewards sammeln möchten; ab dem zweiten Jahr kann das Entgelt bei mehr als 9.000 Euro Jahresumsatz entfallen |
| American Express Gold Card | 20 Euro im Monat | Regelmäßig Reisende, die Versicherungen und Guthaben wirklich nutzen |
| American Express Platinum Card | 60 Euro im Monat | Vielreisende mit Interesse an Lounges, Versicherungen, Statusvorteilen und mehreren Guthaben |
Die kostenlose Blue Card ist aus meiner Sicht die einfachste Möglichkeit, American Express erst einmal im Alltag auszuprobieren. Membership Rewards kann man bei ihr für derzeit 30 Euro im Jahr dazu buchen.
Bei der grünen American Express Card ist das Punkteprogramm bereits enthalten. Interessant ist die Umsatzregel ab dem zweiten Jahr: Werden in den vorherigen zwölf Monaten mehr als 9.000 Euro umgesetzt, wird bis zur nächsten Prüfung kein Kartenentgelt berechnet. Dafür sind also durchschnittlich etwas mehr als 750 Euro Kartenumsatz im Monat nötig.
Gold und Platinum spielen in einer anderen Preisklasse. Die Gold Card kostet 240 Euro, die Platinum Card sogar 720 Euro im Jahr. Dafür sind je nach Karte und den jeweiligen Bedingungen Versicherungen, Reisevorteile und verschiedene Guthaben enthalten. Das klingt zuerst nach sehr viel Leistung. Entscheidend ist aber nicht, welchen theoretischen Wert American Express dafür nennt. Entscheidend ist, welche Vorteile du ohnehin genutzt und aus eigener Tasche bezahlt hättest.
Einen aktuellen Überblick bietet der offizielle Kartenvergleich von American Express.
Punkte sammeln mit Membership Rewards
Ein wichtiger Grund für eine Amex ist das Bonusprogramm Membership Rewards. Für jeden anrechenbaren Euro Kartenumsatz gibt es normalerweise einen Punkt. Die Punkte lassen sich unter anderem für Einkäufe, Kartengutschriften oder bei verschiedenen Partnerprogrammen einsetzen.
Wie viel ein Punkt wirklich wert ist, hängt stark von der Einlösung ab. Wer Punkte einfach mit einem beliebigen Einkauf verrechnet, erhält meistens weniger Gegenwert als jemand, der sie gezielt zu einem Reise- oder Hotelpartner überträgt. Genau hier sollte man sich nicht von einer großen Punktezahl blenden lassen.
Bei der Platinum, Gold und Green Card ist Membership Rewards enthalten. Bei der Blue Card ist die Teilnahme optional. Die PAYBACK American Express nutzt dagegen nicht Membership Rewards, sondern sammelt PAYBACK Punkte. Aktuell gibt es einen zusätzlichen PAYBACK Punkt je drei Euro Kartenumsatz, ausgenommen sind Tankstellenumsätze. Bei PAYBACK Partnern kommen die normalen Punkte des Partners dazu.
Für jemanden, der ohnehin PAYBACK nutzt, ist diese Karte dadurch recht einfach zu verstehen. Man zahlt keine Jahresgebühr und sammelt bei vielen normalen Einkäufen automatisch mit.
Amex Offers: Der Vorteil für den Alltag
Neben den Punkten können Amex Offers im Alltag interessant sein. In der App oder im Online-Konto werden regelmäßig Angebote freigeschaltet. Das können Gutschriften, Rabatte oder zusätzliche Punkte sein, wenn man bei einem bestimmten Händler mit der Karte bezahlt.
Allerdings gilt auch hier die gleiche Regel wie bei jedem Rabatt: Ein Angebot spart nur Geld, wenn man den Einkauf ohnehin machen wollte. Wer 100 Euro zusätzlich ausgibt, um 15 Euro Gutschrift zu bekommen, hat keine 15 Euro gespart, sondern 85 Euro mehr ausgegeben.
Richtig eingesetzt können die Offers einen Teil der Kartenkosten ausgleichen. Bei einer kostenlosen Karte sind sie sogar ein zusätzlicher Vorteil, ohne dass erst eine Jahresgebühr verdient werden muss.
Wie gut ist die American Express Akzeptanz?
Die Akzeptanz ist bei vielen großen Händlern gut, bleibt aber vom einzelnen Geschäft abhängig. Viele Supermärkte, Drogerien, Tankstellen, Hotelketten und Online-Shops nehmen American Express an. Auch mit Apple Pay oder Google Pay lässt sich die Karte bequem einsetzen, sofern der Händler Amex akzeptiert.
Trotzdem gibt es weiterhin kleinere Geschäfte, Restaurants oder Dienstleister, die nur Girocard, Visa oder Mastercard annehmen. Genau deshalb würde ich mich nicht ausschließlich auf American Express verlassen. Eine kostenlose Visa- oder Mastercard als Reserve löst dieses Problem recht einfach.
Vor allem bei Reisen sollte man vorher prüfen, ob die Karte am Ziel häufig akzeptiert wird. Über die Amex Maps Suche kann man nach Akzeptanzstellen in der Nähe suchen. Sie ersetzt aber nicht die Ersatzkarte im Portemonnaie.
Diese Gebühren sollte man nicht übersehen
Eine Karte ohne Jahresgebühr ist nicht automatisch in jeder Situation kostenlos. Bei American Express fallen aktuell vor allem zwei Gebühren auf:
- Zahlungen in einer anderen Währung kosten 2 Prozent Fremdwährungsentgelt.
- Bargeldabhebungen kosten 4 Prozent, mindestens jedoch 5 Euro.
Damit ist Amex ausgerechnet für zwei klassische Reiseaufgaben nicht besonders günstig. Für Bargeldabhebungen und Zahlungen außerhalb des Euro-Raums gibt es Karten mit besseren Konditionen. Die genauen Gebühren erklärt American Express in seiner Übersicht zu Kreditkartenkosten.
Ich würde eine Amex deshalb nicht zum Geldabheben verwenden. Auch bei längeren Reisen in Länder mit einer anderen Währung wäre eine zusätzliche Karte ohne Fremdwährungsentgelt sinnvoll.
Welche Amex lohnt sich für wen?
PAYBACK American Express
Sie ist interessant, wenn du PAYBACK ohnehin nutzt und eine dauerhaft beitragsfreie Karte suchst. Das Punktesystem ist einfacher als Membership Rewards. Für Reisen bleibt aber der Nachteil der Fremdwährungs- und Bargeldgebühren.
American Express Blue Card
Die Blue Card passt zu Einsteigern, die Amex Offers und den Service ohne Jahresgebühr testen möchten. Wer Membership Rewards dazu bucht, sollte vorher überlegen, ob die Punkte den jährlichen Beitrag von 30 Euro tatsächlich wieder einspielen.
American Express Card beziehungsweise Green Card
Sie ist der günstigste Einstieg mit enthaltenem Membership Rewards Programm. Bei mehr als 9.000 Euro Umsatz in zwölf Monaten kann sie ab dem zweiten Jahr ohne Kartenentgelt weiterlaufen. Wer diesen Umsatz ohnehin erreicht, bekommt ein interessantes Gesamtpaket. Zusätzliche Ausgaben nur für die Gebührenbefreiung wären natürlich unsinnig.
American Express Gold Card
Die Gold Card richtet sich vor allem an Nutzer, die regelmäßig reisen und das Versicherungspaket sowie die angebotenen Mobilitäts- und Shoppingguthaben einsetzen. 240 Euro im Jahr sind aber zu viel, wenn die Vorteile nur auf dem Papier gut aussehen.
American Express Platinum Card
Die Platinum Card bietet unter anderem Lounge-Zugang, Reise- und Restaurantguthaben, Versicherungen sowie verschiedene Statusvorteile. Für alle Leistungen gelten die jeweiligen Bedingungen und Teilnahmevoraussetzungen. Sie kann sich für Vielreisende rechnen. Wer nur ein- oder zweimal im Jahr verreist und die Guthaben nicht gezielt nutzt, wird die 720 Euro Jahreskosten wahrscheinlich nicht sinnvoll ausgleichen.
Meine einfache Rechnung für Premium-Karten
Bei Gold oder Platinum würde ich alle Vorteile einmal ehrlich aufschreiben. Danach würde ich nur den Wert ansetzen, den ich ohne Karte wirklich bezahlt hätte.
Ein Beispiel: Ein Restaurantguthaben kann für dich bis zu 150 Euro wert sein, sofern du die Bedingungen erfüllst und ohnehin in den teilnehmenden Restaurants essen gehst. Würdest du dort ohne Karte nie buchen, ist der persönliche Wert vielleicht deutlich kleiner oder sogar null.
Von der Jahresgebühr ziehst du anschließend nur diese realistisch nutzbaren Beträge ab. Punkte und Offers kannst du vorsichtig ergänzen. Bleibt danach noch ein hoher Restbetrag übrig, passt eine kostenlose Karte vermutlich besser.
Voraussetzungen für eine American Express Kreditkarte
Für den Antrag musst du mindestens 18 Jahre alt sein, in Deutschland wohnen, ein regelmäßiges Einkommen haben und die Bonitätsanforderungen erfüllen. American Express prüft dazu auch den SCHUFA-Score. Zusätzlich werden persönliche Angaben, die Bankverbindung und Informationen zum Einkommen abgefragt.
Der Verfügungsrahmen wird individuell festgelegt und kann sich mit der Nutzung und Bonität verändern. Vor einer ungewöhnlich großen Zahlung sollte man deshalb in der App prüfen, ob sie im aktuellen Rahmen liegt.
Häufige Fragen zur American Express Kreditkarte
Ist eine American Express Kreditkarte kostenlos?
Die PAYBACK American Express und die Blue Card haben dauerhaft kein Jahresentgelt. Für Fremdwährungen, Bargeldabhebungen oder optionale Programme können trotzdem Kosten entstehen.
Wird Amex überall angenommen?
Nein. Die Akzeptanz ist bei großen Händlern inzwischen gut, liegt aber weiterhin unter Visa und Mastercard. Eine zweite Karte ist deshalb sinnvoll.
Kann man mit Amex Geld abheben?
Ja, nach Freischaltung der Bargeldfunktion. Wegen 4 Prozent Gebühr und mindestens 5 Euro ist das aber vergleichsweise teuer.
Kann man die Monatsabrechnung in Raten zahlen?
Die hier vorgestellten privaten Amex Karten sind Charge Cards. Der Rechnungsbetrag wird normalerweise vollständig per Lastschrift vom Girokonto eingezogen. Eine klassische dauerhafte Teilzahlung ist nicht vorgesehen.
Fazit: Eine gute Zusatzkarte, aber nicht automatisch für jeden
American Express ist mehr als nur eine auffällige Kreditkarte. Punkte, Offers, Service und je nach Karte auch Versicherungen oder Reisevorteile können einen echten Gegenwert haben. Besonders die kostenlose PAYBACK Karte und die Blue Card sind eine einfache Möglichkeit, das System ohne Jahresgebühr auszuprobieren.
Bei Gold und Platinum sollte man dagegen sehr genau rechnen. Eine lange Liste mit Guthaben macht die Karte noch nicht günstig. Sie lohnt sich nur, wenn die Leistungen zum eigenen Alltag passen und wirklich genutzt werden.
Die zwei größten Nachteile bleiben für mich das Fremdwährungsentgelt und die nicht überall vorhandene Akzeptanz. Als einzige Kreditkarte würde ich Amex deshalb eher nicht einplanen. Zusammen mit einer guten Visa- oder Mastercard kann sie aber eine sinnvolle Ergänzung sein und bei den normalen Ausgaben zusätzliche Vorteile bringen.
Welche American Express Karte nutzt du und wie sind deine Erfahrungen mit der Akzeptanz? Schreib es gerne in die Kommentare.
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