Ein Girokonto wechselt man nicht so spontan wie den Stromanbieter oder einen Handyvertrag. Zumindest fühlt es sich erst einmal so an. Auf dem Konto gehen Gehalt und andere Zahlungen ein. Gleichzeitig werden Miete, Strom, Versicherungen, Kreditkarten und viele kleine Abos davon abgebucht. Die Sorge etwas zu vergessen ist deshalb wahrscheinlich der wichtigste Grund, warum viele trotz hoher Kontogebühren bei ihrer alten Bank bleiben.
Dabei ist ein Kontowechsel heute viel einfacher als noch vor einigen Jahren. Banken müssen beim Wechsel helfen und viele Zahlungspartner lassen sich mit wenigen Klicks über die neue IBAN informieren. Ganz ohne Kontrolle würde ich mich auf keinen Wechselservice verlassen. Mit einer Liste und einer kurzen Übergangszeit kann man das Risiko aber sehr klein halten.
In diesem Artikel zeige ich dir, wie du dein Girokonto Schritt für Schritt wechselst, welche Zahlungen gerne vergessen werden und wann du das alte Konto wirklich kündigen solltest.
Stand des Faktenchecks: 9. September 2026.
Kurz gesagt: Eröffne zuerst das neue Girokonto, prüfe die Buchungen der vergangenen 13 Monate und stelle Geldeingänge, Lastschriften, Daueraufträge, Karten und Bezahldienste Schritt für Schritt um. Lass beide Konten ungefähr drei Monate parallel laufen und kündige das alte Konto erst, wenn keine unerwarteten Buchungen mehr auftauchen.
Warum ich selbst von der Sparkasse wechseln möchte
Für mich ist dieser Kontowechsel keine rein theoretische Sparmaßnahme. Ich möchte mein Girokonto nun endgültig von der Sparkasse weg verlagern. Bei unserer Sparkasse vor Ort habe ich den Service wiederholt als enttäuschend erlebt. Besonders bei Fragen rund um Immobilienfinanzierungen fühlte ich mich bei dieser Bank mit meinen Anliegen oft schlicht verloren, statt verlässlich begleitet zu werden.
Wer Immobilien als Teil des Vermögensaufbaus betrachtet, braucht aus meiner Sicht einen Ansprechpartner, der Finanzierung, benötigte Unterlagen, Zeitplan und Risiken verständlich einordnet. Genau diese Unterstützung habe ich dort vermisst. Wenn du dich auf ein Finanzierungsgespräch vorbereitest, findest du in meinen Beiträgen Hinweise zu den Unterlagen für ein Immobilieninvestment und dazu, wie du deine Bonität überprüfst und verbesserst.
Das ist meine persönliche Erfahrung mit der Sparkasse vor Ort und kein pauschales Urteil über jede Sparkasse. Beratung, Erreichbarkeit und Konditionen können sich regional unterscheiden.

Wann lohnt es sich, das Girokonto zu wechseln?
Der offensichtlichste Grund sind hohe Gebühren. Zehn Euro Kontoführung im Monat wirken vielleicht nicht besonders dramatisch. Im Jahr sind es aber 120 Euro und in zehn Jahren bereits 1.200 Euro. Gebühren für Karten, Bargeldabhebungen oder einzelne Buchungen können noch dazu kommen.
Ein Wechsel kann außerdem sinnvoll sein, wenn du mit der App, dem Kundenservice oder der Erreichbarkeit deiner Bank unzufrieden bist. Vielleicht gibt es in deiner Nähe kaum passende Geldautomaten oder eine wichtige Kreditkarte ist inzwischen kostenpflichtig geworden.
Das günstigste Konto ist trotzdem nicht automatisch das passendste. Bei einem neuen Girokonto solltest du mindestens diese Punkte vergleichen:
- monatliche Kontoführungsgebühr und Bedingungen für ein kostenloses Konto
- Höhe eines eventuell verlangten Mindestgeldeingangs
- Kosten für Girocard, Debitkarte und Kreditkarte
- Möglichkeiten und Gebühren beim Bargeldabheben
- App, Online-Banking und Freigabeverfahren
- Dispozins, falls du den Dispokredit gelegentlich nutzt
- Fremdwährungsgebühren und Leistungen auf Reisen
- Erreichbarkeit des Kundenservice und vorhandene Filialen
- Verzinsung von Guthaben, falls Geld öfter auf dem Girokonto liegen bleibt
Gerade bei einem angeblich kostenlosen Girokonto lohnt sich ein Blick in das Preis- und Leistungsverzeichnis. Manche Angebote sind nur bei einem bestimmten Geldeingang kostenlos. Andere berechnen die Karte oder bestimmte Buchungen extra.
Gesetzliche Kontowechselhilfe oder selbst wechseln?
Seit dem 18. September 2016 besteht für Verbraucher ein gesetzlicher Anspruch auf Kontowechselhilfe. Voraussetzung ist, dass beide Banken in Deutschland sitzen und beide Konten in derselben Währung geführt werden. Grundlage ist das Zahlungskontengesetz. Auf Wunsch fordert die neue Bank bei der alten Bank unter anderem eine Liste der bestehenden Daueraufträge sowie Informationen zu Lastschriften und eingehenden Überweisungen aus den vergangenen 13 Monaten an.
Die neue Bank richtet anschließend die von dir ausgewählten Daueraufträge ein und informiert die in deiner Ermächtigung benannten Zahler und Lastschrift-Zahlungsempfänger über die neue Bankverbindung. Fehlen Kontaktdaten, muss sie diese zunächst anfordern. Für die einzelnen Schritte gelten gesetzliche Fristen. Die neue Bank muss die Hilfe innerhalb von zwei Geschäftstagen anstoßen. Die alte Bank hat anschließend fünf Geschäftstage für die angeforderten Informationen. Nach Eingang dieser Daten hat die neue Bank wiederum fünf Geschäftstage für die vorgesehenen Umstellungen.
Das klingt bequem und ist grundsätzlich hilfreich. Trotzdem können Adressen fehlen, alte Lastschriften auftauchen oder seltene Zahlungen übersehen werden. Die Verbraucherzentrale empfiehlt deshalb, die Buchungslisten selbst zu prüfen und mit kleineren Problemen zu rechnen.
Alternativ kannst du den Wechsel komplett selbst organisieren. Das ist etwas mehr Arbeit, gibt dir aber die volle Kontrolle. Am sichersten ist meist: Wechselservice nutzen und die Buchungen trotzdem mit einer eigenen Checkliste kontrollieren.
Mehr Einzelheiten zur gesetzlichen Hilfe findest du bei der Verbraucherzentrale.
Schritt 1: Neues Girokonto eröffnen
Bevor am alten Konto irgendetwas geändert wird, muss das neue Konto vollständig einsatzbereit sein. Dazu gehören nicht nur die IBAN und der Zugang zum Online-Banking. Auch Karten, PIN und das Freigabeverfahren für Überweisungen sollten funktionieren.
Überweise zunächst einen kleinen Testbetrag auf das neue Konto und tätige von dort eine Rücküberweisung. So siehst du, ob Zugang und TAN-Verfahren richtig eingerichtet sind. Wenn du später größere Beträge verschiebst, gibt es keine unangenehme Überraschung.
Schritt 2: Buchungen der letzten 13 Monate prüfen
Öffne die Kontoauszüge des vergangenen Jahres und gehe alle regelmäßigen Ein- und Ausgänge durch. Zwölf Monate sind das Minimum, weil manche Versicherungen, Mitgliedsbeiträge oder Steuern nur einmal im Jahr abgebucht werden. Die gesetzliche Kontowechselhilfe berücksichtigt Informationen aus den vergangenen 13 Monaten.
Ich würde vier Listen erstellen:
- regelmäßige Geldeingänge
- Lastschriften
- Daueraufträge
- Zahlungen, die über eine Karte oder einen Bezahldienst laufen
Nicht jede Kartenzahlung muss einzeln geändert werden. Wichtig sind gespeicherte Zahlungsarten bei Diensten, die später automatisch abbuchen.

Schritt 3: Geldeingänge umstellen
Zuerst sollten alle wichtigen Einnahmen auf das neue Konto umziehen. Dazu können gehören:
- Arbeitgeber oder eigene Firma
- Renten- oder Pensionskasse
- Familienkasse und andere Behörden
- Mieter, falls du Immobilien vermietest
- Kunden oder Auftraggeber bei Selbstständigen
- Unterhalt oder regelmäßige private Überweisungen
- Erstattungen von Krankenkasse oder Versicherungen
Wenn du vermietest, hilft eine saubere Struktur in der Immobilienverwaltung. So bleiben neue Kontodaten bei Mietern, Abrechnungen und internen Unterlagen konsistent hinterlegt.
Der Arbeitgeber braucht normalerweise nur die neue IBAN und ein Datum, ab dem sie gelten soll. Gib die Änderung rechtzeitig vor der nächsten Lohnabrechnung durch.
Schritt 4: Lastschriften und Verträge ändern
Jetzt kommen die Zahlungsempfänger an die Reihe. Bei vielen Anbietern kann die Bankverbindung im Kundenkonto geändert werden. Bei anderen reicht eine kurze Nachricht.
Besonders häufig hängen diese Verträge am Girokonto:
- Miete oder Hausgeld
- Strom, Gas, Wasser und Internet
- Versicherungen
- Mobilfunk und Festnetz
- Rundfunkbeitrag
- Kredit- und Leasingraten
- Kreditkartenabrechnungen
- Sparpläne und Einzahlungen ins Depot
- Mitgliedschaften in Vereinen, Fitnessstudio oder Gewerkschaft
- Streamingdienste, Software und andere Abos
- PayPal, Amazon und weitere Zahlungsdienste
- Spenden und regelmäßige Beiträge
Bei PayPal und ähnlichen Diensten würde ich das neue Konto zuerst hinzufügen und bestätigen. Erst danach sollte die alte Bankverbindung entfernt werden.
Schritt 5: Daueraufträge neu einrichten
Wenn du die gesetzliche Kontowechselhilfe nutzt, kann die neue Bank die von dir ausgewählten Daueraufträge einrichten. Organisierst du den Wechsel selbst, lassen sich Daueraufträge besonders leicht kontrollieren. Richte sie im neuen Konto mit dem passenden Ausführungsdatum ein und prüfe Betrag, Verwendungszweck und Empfänger-IBAN.
Lösche den alten Dauerauftrag erst, wenn klar ist, dass er nicht noch ein letztes Mal vom bisherigen Konto ausgeführt werden soll. Sonst wird eine Zahlung im schlechtesten Fall doppelt oder gar nicht ausgeführt.
Schritt 6: Beide Konten etwa drei Monate parallel führen
Der wichtigste Tipp beim Kontowechsel ist für mich die Übergangszeit. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, altes und neues Konto ungefähr drei Monate parallel laufen zu lassen. Auf dem alten Konto sollte ein kleiner Puffer bleiben, damit eine vergessene Abbuchung nicht sofort zurückgegeben wird.
Prüfe in dieser Zeit beide Konten regelmäßig. Kommt auf dem alten Konto noch eine Lastschrift oder Überweisung an, kannst du den Zahlungspartner direkt informieren. Nach einigen Wochen wird die Liste der vergessenen Stellen normalerweise sehr kurz.
Die parallele Kontoführung kann noch einmal Gebühren kosten. Dieser überschaubare Betrag ist aber meistens günstiger als Mahnkosten, Rücklastschriften oder ein verspätet bezahlter Kredit.
Schritt 7: Kontoauszüge speichern und altes Konto kündigen
Bevor du das alte Girokonto schließt, solltest du alle Kontoauszüge und wichtigen Dokumente herunterladen. Nach der Kündigung endet oft der Zugang zum Online-Banking. Eine spätere Nacherstellung kann Geld kosten.
Prüfe danach diese Punkte:
- Seit mehreren Wochen gab es keine unerwartete Buchung mehr.
- Alle Geldeingänge landen auf dem neuen Konto.
- Alle Daueraufträge wurden erfolgreich ausgeführt.
- Lastschriften funktionieren über die neue IBAN.
- Kreditkarten und Bezahldienste nutzen das neue Konto.
- Es gibt keine vorgemerkten Kartenumsätze mehr.
- Ein eventuell vorhandener Dispokredit ist ausgeglichen.
- Kontoauszüge und Steuerunterlagen wurden gespeichert.
Erst wenn diese Punkte erledigt sind, würde ich das alte Konto kündigen. Das Restguthaben kann auf das neue Girokonto überwiesen werden.
Typische Fehler beim Kontowechsel
Das alte Konto sofort kündigen
Das spart vielleicht eine Monatsgebühr, erzeugt aber unnötigen Zeitdruck. Eine vergessene Lastschrift reicht aus, damit Kosten oder eine Mahnung entstehen.
Nur die letzten zwei oder drei Monate prüfen
Jährliche Versicherungen, Vereinsbeiträge oder seltene Zahlungen tauchen dann nicht auf. Besser sind mindestens zwölf, bei der Wechselhilfe sogar die gesetzlich vorgesehenen 13 Monate.
Kreditkarten und Bezahldienste vergessen
Eine Kreditkarte wird vielleicht nur einmal im Monat abgerechnet. Auch PayPal, Apple, Google, Amazon oder ein App-Store-Konto können noch auf die alte Bankverbindung zugreifen.
Das neue Konto nur nach der Grundgebühr auswählen
Ein kostenloses Konto kann teuer werden, wenn Bargeldabhebungen, Karten oder Fremdwährungszahlungen nicht zum eigenen Nutzungsverhalten passen.
Kein Guthaben auf dem alten Konto lassen
Ohne kleinen Puffer führt eine letzte Abbuchung schnell zu einer Rücklastschrift. Das kann Gebühren auf beiden Seiten auslösen.
Was passiert bei einem Fehler der Banken?
Entsteht durch eine fehlerhafte gesetzliche Kontowechselhilfe ein finanzieller Schaden, können die beteiligten Banken nach § 25 Zahlungskontengesetz haften. Ein Beispiel wären Mahnkosten, weil ein beauftragter Dauerauftrag nicht übertragen wurde.
In der Praxis solltest du den Fehler sofort dokumentieren und beide Banken schriftlich informieren. Bei Problemen kommen außerdem die Schlichtungsstelle des Instituts und eine Beschwerde bei der BaFin in Frage.
Häufige Fragen zum Girokontowechsel
Wie lange dauert ein Kontowechsel?
Die gesetzlich geregelten Schritte laufen innerhalb weniger Geschäftstage ab. Für einen sicheren vollständigen Wechsel solltest du trotzdem mehrere Wochen und eine parallele Kontoführung von ungefähr drei Monaten einplanen.
Kostet die Kontowechselhilfe Geld?
Für die Kontowechselhilfe dürfen Banken nur ein vereinbartes, angemessenes und kostenorientiertes Entgelt verlangen. Kostenlos bleiben die gesetzlich genannten Informationen und Listen sowie die Schließung des alten Kontos.
Muss ich den Wechselservice der Bank nutzen?
Nein. Du kannst alle Zahlungspartner selbst informieren und Daueraufträge eigenständig übertragen. Der Service ist eine Hilfe, keine Pflicht.
Wann sollte ich das alte Girokonto kündigen?
Erst wenn alle Einnahmen, Lastschriften und Daueraufträge zuverlässig über das neue Konto laufen und die benötigten Kontoauszüge gespeichert sind. Etwa drei Monate Parallelbetrieb geben zusätzliche Sicherheit.
Fazit: Mit einer Checkliste ist der Kontowechsel gut zu schaffen
Ein Girokonto zu wechseln ist kein kompliziertes Finanzprojekt. Der Aufwand entsteht vor allem durch die vielen kleinen Stellen, an denen die alte Bankverbindung gespeichert ist. Genau deshalb helfen eine vollständige Liste und etwas Geduld.
Eröffne zuerst das neue Konto, prüfe die Buchungen der vergangenen 13 Monate und stelle Einnahmen, Lastschriften und Daueraufträge Schritt für Schritt um. Nutze ruhig die Kontowechselhilfe der Bank, kontrolliere die Angaben aber selbst. Wenn beide Konten etwa drei Monate parallel laufen, bleibt genug Zeit für vergessene Abbuchungen.
So kannst du dauerhaft Gebühren sparen, ohne dass der Wechsel im Alltag zum Stress wird.
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